Beat Gloor

konk

Seit aus den Höhlenzeichnungen die Schrift

entstanden ist, hat es immer wieder Menschen

gegeben, die Bild und Wort neu zu vereinen

versuchten – auf der Suche nach diesem immer

wieder springenden Punkt.

 

Vor etwa sechstausend Jahren begann sich das Bild, auf dem der Blick frei umherschweifen konnte, in Symbole aufzulösen, die in einer bestimmten Reihenfolge wahrgenommen wurden. Es wurde zu Zeilen zerschnipselt, die aneinander gereiht ein lineares, gerichtetes Geschehen ergaben: Geschichte(n). Neu an der Schrift waren die Erfindung abstrakter Symbole und die Auflösung der Wirklichkeit in Zeilen, in Zeichen, in Zeit.

Broschur, 192 Seiten, 18,5 x 19 cm

CHF 24.00 / € (D) 20.00 / € (A) 20.60

(inkl. MWST)

 

ISBN 978-3-906913-17-9

Zu konk + klonk

Maler wie Mondrian oder Kandinsky reduzierten ihre Bilder auf mathematisch bestimmbare Elemente: geometrische Einteilung, Schwarz und Weiß, die Farben Rot, Gelb und Blau oder grafische Elemente wie Punkt, Linie und Fläche. Denselben Weg ging die konkrete oder visuelle Poesie.

 

Die Literaturkritik hielt die konkrete Poesie für »arm«: Das waren bloß Sprachknochensplitter, die von den Tischen reicher Poeten gefallen waren, Lallbrocken, sinnentleerte Systeme, geschmäcklerische Wanddekorationen ... Zehn Jahre später war sie auch schon wieder vorbei.

»Knappheit, Konzentration und Einfachheit« waren für Eugen Gomringer das Wesen der konkreten Poesie. Er sah die Verwandtschaft von Text und Bild auch im Alltag, »wo aus Schlagworten und Buchstabengruppen Gebilde entstehen, die Muster einer neuen Dichtung sein können«.

Konkrete Arbeiten wirkten durch ihre bildliche Sprache und spitzten eine Aussage auf ein paar Zeichen zu. Die trugen die ganze Last von Sinn und Unsinn und wurden mit Typografie, Gestaltung und immer wieder neuen Medien inszeniert. Plakate oder Neonschrift transportierten sie so schnell von einem Hirn zum andern, dass die Werbung aufmerksam wurde. Sie erfand immer raffiniertere Abläufe von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, sodass Claus Bremer, einer der Letzten, mit der konkreten Poesie abschloss: Man kann heute nicht mehr so arbeiten, weil die Werbung alles vereinnahmt hat.

Konkrete Poeten treten hinter ihre »Werke« zurück. Die Schätze liegen in der Sprache selbst, in ihrer Fähigkeit, mit der materiellen Wirklichkeit immer wieder neu in Beziehung zu treten: sie abzubilden, zu illustrieren oder zu stören.

Beat Gloor (*1959) hat Erfahrungen als Programmierer, Pianist und Papperlapappi gesammelt. Seit 1989 führt er das verlagsunabhängige Unternehmen Text Control, das sich mit Lektorat, Stil, Schreiben und Namensfindung beschäftigt. Beat Gloor interessiert sich für alle Formen des Schreibens, des Sprechens und des Denkens. Er lebt in Klingnau.

 

Weitere Bücher von Beat Gloor

Konkrete Texte entstehen aus Freude am Spiel, aus dem Wunsch nach Erkenntnis, aus Wahrnehmung und Reflexion. Die Gesellschaft verändert sich. Die Sprache verändert sich. Die Beziehungen der beiden Systeme bleiben spannend.